{"id":1430,"date":"2019-09-04T10:57:24","date_gmt":"2019-09-04T08:57:24","guid":{"rendered":"http:\/\/ideamare.me\/?p=1430"},"modified":"2021-02-12T17:59:04","modified_gmt":"2021-02-12T15:59:04","slug":"verdraengen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ideamare.me\/?p=1430","title":{"rendered":"~verdr\u00e4ngen~"},"content":{"rendered":"<p>Ein \u00dcberwall an Gef\u00fchlen;<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Welle trifft dich, \u00fcberschwemmt dich, nimmt dich mit;<\/p>\n<p>Hilflos<\/p>\n<p>Du f\u00fchlst, als k\u00f6nntest du dich nicht wehren, nicht schwimmen, nicht mehr atmen;<\/p>\n<p>Stop-<\/p>\n<p>Warum die Gef\u00fchle annehmen, verarbeiten, sich damit auseinandersetzen?<\/p>\n<p>Warum sich anstrengen, sein Innerstes zu offenbaren,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Gef\u00fchle, aufgetaucht seit all den Jahren, frei zu lassen, sich angreifbar zu machen?<\/p>\n<p>Nein, ich bin nicht so stark, ich bin nicht so mutig;<\/p>\n<p>Stattdessen versuche ich,<\/p>\n<p>Schritt f\u00fcr Schritt<\/p>\n<p>Platz zu schaffen<\/p>\n<p>da, wo die Gef\u00fchle einmal waren;<\/p>\n<p>Was mache ich jetzt mit dem Raum?<\/p>\n<p>Ich wei\u00df es nicht;<\/p>\n<p>Leere-<\/p>\n<p>Ich fange dann an mit den Ausreden:<\/p>\n<p>Es gibt wichtigere Dinge, was ist mit meinem Leben?<\/p>\n<p>Zwischen Schule, Lernen, Freunden, Sport und vielleicht zwei Minuten Pause,<\/p>\n<p>da ist kein Platz f\u00fcr<\/p>\n<p>den Schmerz, das Weinen, f\u00fcr all das, was du wei\u00dft, dass es das gibt, aber irgendwie nicht f\u00fchlst oder glaubst, dass du es nicht f\u00fchlst;<\/p>\n<p>Ich habe keine Zeit;<\/p>\n<p>Ich kann mich nicht konzentrieren, ich kann nicht durchatmen;<\/p>\n<p>Von Anfang an hast du die Einstellung angenommen, mitgenommen und nie wieder losgelassen;<\/p>\n<p>Ich kann das nicht. Ich will das nicht.<\/p>\n<p>Ich mache das nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es bildet sich eine Wand<\/p>\n<p>ganz tief in deinem Hinterkopf,<\/p>\n<p>mit jedem Tag, mit jeder Stunde<\/p>\n<p>wird Stein \u00fcber Stein, M\u00f6rtel \u00fcber M\u00f6rtel gelegt,<\/p>\n<p>bis letztendlich die Gef\u00fchle schreien, gegen die Mauer aus Gleichg\u00fcltigkeit und Hilflosigkeit ank\u00e4mpfen;<\/p>\n<p>Die Trauer weint in unermesslichen B\u00e4chen;<\/p>\n<p>Der Schmerz kr\u00fcmmt und windet sich;<\/p>\n<p>Der Hass fletscht die Z\u00e4hne;<\/p>\n<p>Das alles h\u00f6re ich nicht;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nicht-<\/p>\n<p>Wie denn auch?<\/p>\n<p>Eine Mauer steht zwischen mir und meinen Gef\u00fchlen;<\/p>\n<p>Ich habe die Ignoranz, die Gleichg\u00fcltigkeit, die tiefe Emotionslosigkeit nicht nur angenommen, sondern auch mitgenommen;<\/p>\n<p>Es gibt immer wieder Tage, an denen ein St\u00fcck Mauer bricht, ein Lichtspalt durch das tiefe Schwarz der Dunkelheit f\u00e4llt;<\/p>\n<p>Oh nein-<\/p>\n<p>Schnell wird ein neuer Stein gefunden und das Loch ist geschlossen,<\/p>\n<p>Als w\u00e4re nie eines gewesen;<\/p>\n<p>Und jetzt-<\/p>\n<p>Und jetzt liege ich auf dem K\u00fcchenboden, starre an die Decke, und warte,<\/p>\n<p>warte auf die Gef\u00fchle, warte<\/p>\n<p>bis ich endlich anfange, gegen die Mauer anzuk\u00e4mpfen, bis sie bricht;<\/p>\n<p>Aber sie bricht nicht;<\/p>\n<p>Warte bis ich anfange zu weinen, mein Herz zusammenbricht, ich losbr\u00fclle, schreie, um mich schlage-<\/p>\n<p>Aber es kommt nicht-<\/p>\n<p>Habe ich mit all der Kraft all die Gef\u00fchle nicht zur Seite geschoben, hinter der Mauer verbarrikadiert,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>sondern verpulverisiert?<\/p>\n<p>Oder bin ich einfach so kalt geworden wie der Boden, auf dem ich liege?<\/p>\n<p>Und jetzt w\u00fcnsche ich mir,<\/p>\n<p>ich w\u00e4re nicht so feige gewesen,<\/p>\n<p>zu weinen, zusammenzubrechen,<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>mit meinen Gef\u00fchlen umzugehen,<\/p>\n<p>mir Schmerz, Trauer, Leid anzutun;<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte ich dar\u00fcber lachen;<\/p>\n<p>Aber nein, jetzt liege ich hier,<\/p>\n<p>Und suche in den Tiefen meiner Seele nach Gef\u00fchlen;<\/p>\n<p>Sogar gewillt, den Zerst\u00f6rungsknopf zu dr\u00fccken;<\/p>\n<p>Ich bin sauer,<\/p>\n<p>Sauer auf mich, sauer auf alles;<\/p>\n<p>Aber dar\u00fcberhinaus wird es nicht kommen;<\/p>\n<p>Und das ist auch gut so,<\/p>\n<p>Aber ein St\u00fcck weit eben auch nicht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberall, wo man hinschaut, hingeht, hinsieht,<\/p>\n<p>Da sieht man Menschen mit genau dem gleichen Problem:<\/p>\n<p>Der Mann mit der Aktentasche in der einen Hand, in der anderen der Kaffee-to-Go-Becher;<\/p>\n<p>Er wei\u00df, dass der Klimawandel real ist,<\/p>\n<p>Er wei\u00df auch, dass er mit den unn\u00f6tigen Papierbechern, die er jeden Morgen vom Coffee-Shop bekommt, die Umwelt verpestet,<\/p>\n<p>das hat er gestern im Radio geh\u00f6rt;<\/p>\n<p>Er f\u00fchlt sich schlecht-<\/p>\n<p>Aber was konnte er denn daf\u00fcr? Auch wenn er keine Kaffe-to-Go-Becher mehr kaufen w\u00fcrde, w\u00fcrden es immer noch genug andere tun;<\/p>\n<p>Was konnte er denn dagegen tun? Morgen h\u00e4tte er es doch eh schon wieder vergessen;<\/p>\n<p>Von 7 bis 9: da kann man nicht noch auf die Umwelt achten;<\/p>\n<p>Oder die Frau im Bus;<\/p>\n<p>neben ihr sitzt ein Paar-<\/p>\n<p>aber ist es wirklich ein Paar?<\/p>\n<p>Ist der Gegen\u00fcber nicht ein bisschen \u00fcbergiffig zu seine(m)\/(r) Partner(in)?<\/p>\n<p>F\u00e4sst er\/ sie die Person ein bisschen zu viel an?<\/p>\n<p>Und erwidert die Person dies gar kein bisschen?<\/p>\n<p>Versucht sie eher Abstand zu halten, schaut sie bedr\u00fcckt die anderen Fahrg\u00e4ste an?<\/p>\n<p>Was?\u00a0Nein!<\/p>\n<p>Schau doch, wie s\u00fc\u00df die sind!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hallo<\/p>\n<p>Heute habe ich f\u00fcr euch den Text \u201e~verdr\u00e4ngen~\u201c geschrieben bzw. abgetippt, denn dieser Text ist einer der ersten selbstgeschriebenen Texte von mir und der erste lange, \u00fcberarbeitete Text, den ich jemals geschrieben habe. Wie im letzten Text \u201e~<span style=\"color: #ff6600;\"><a style=\"color: #ff6600;\" href=\"http:\/\/ideamare.me\/?p=1424\">ver\u00e4nderung<\/a><\/span>~\u201c angek\u00fcndigt ist dieser Text der zweite Teil meiner dreireihigen Folge von \u201eVer\u201c-Texten. Aber eigentlich nicht, da ich ihn als erstes geschrieben habe. Ich wollte die Reihenfolge \u00e4ndern, da ich den letzten Text, also den frischesten, am passensten zum Neuanfang auf meinem Blog fand. Wie ihr seht wurde die Reihenfolge komplett ge\u00e4ndert und der eigentlich zweite Text \u201eVerurteilung\u201c wird als letzter Teil dieser Serie ver\u00f6ffentlicht. Aber jetzt genug davon und zu meinem Text.<\/p>\n<p>Der Text ist in drei Teile geteilt. Die ersten zwei Teile haben jeweils ein Bild zur Veranschaulichung, wobei der dritte Teil eher mit konkreten stereotypischen Beispielen appellieren will. Der erste Teil veranschaulicht eine Welle an Gef\u00fchlen, von der du \u00fcberschwemmt wirst, du f\u00fchlst dich hilflos und musst etwas dagegen tun. Also verdr\u00e4ngst du es. Daf\u00fcr findest du nat\u00fcrlich viele Ausreden, wie das jeder Mensch in scheinbar ausweglosen Situationen macht, damit er sich besser f\u00fchlt. \u00dcber den ganzen Text verteilt treten immer einzelne W\u00f6rter hervor, die verdeutlichen sollen wie ausweglos die Situation ist und die au\u00dferdem Struktur im Text geben sollen. Der erste Teil endet mit dem sich steigernden Trikolon, das ausruft: ich werde mit meinen Gef\u00fchlen nicht umgehen!<\/p>\n<p>Im zweiten Teil steht als Bild eine Mauer zwischen dir und deinen Gef\u00fchlen, deinem Schmerz, Neid, deiner Trauer.\u00a0Au\u00dferdem wird eine Situation offenbart, in der gezeigt wird, was passiert, wenn die Mauer ein St\u00fcck weit bricht und die Gef\u00fchle zu dir zu dr\u00e4ngen scheinen. Das ist nat\u00fcrlich ein Schock f\u00fcr dich und du stehst zwischen zwei M\u00f6glichkeiten: endlich dich mit den Gef\u00fchlen auseinandersetzen oder weiter verdr\u00e4ngen. Weil du aber die Auseinandersetzung mit deinen Gef\u00fchlen zu lange verdr\u00e4ngt hast, wirkt es fast unm\u00f6glich diese Wand zu durchbrechen und du verdr\u00e4ngst weiter, was deine Hilflosigkeit und Verzweiflung wiederspiegelt.<\/p>\n<p>Der dritte Teil richtet sich an konkrete Beispiele: Ich will hier klar sagen, dass ich mit diesen frei erfundenen Personen keine einzelne, echte Person wiederspiegele, sondern Persongruppen, Stereotypen, die ich wieder aufgreife. Ich wei\u00df, dass der dritte Teil provokant ist, aber das soll er auch. Er soll zeigen, wie jeder einzelne Mensch verdr\u00e4ngt, wegschaut, egal wie klein oder gro\u00df das Verdr\u00e4ngen ist.<\/p>\n<p>Im Text steigert sich das Verdr\u00e4ngen, wie oben beschrieben, und irgendwann kann man nicht mehr seine Gef\u00fchle aufrufen. Das ist nat\u00fcrlich ein sehr gro\u00dfes Problem, denn Verdr\u00e4ngen ist nur eine Zwischenl\u00f6sung, bis man sich stark genug daf\u00fcr f\u00fchlt oder sich stark genug daf\u00fcr f\u00fchlen muss. Wenn man aber nicht mehr wei\u00df wie man sich mit sich selbst auseinandersetzt, weil man sich von sich selbst und seinen Gef\u00fchlen distanziert hat, entsteht ein Dilemma. Am Ende des zweiten Teils hast du nur noch das Gef\u00fchl, sauer zu sein, wobei das kein echtes Gef\u00fchl ist.<\/p>\n<p>Meiner Meinung nach ist Verdr\u00e4ngen feige, es ist einfach. Weil es so einfach ist, macht es fast jeder, auch ich. Es ist an der Zeit, endlich zu lernen, mit sich und seinen Gef\u00fchlen umzugehen, sich auseinanderzusetzen, sie zu akzeptieren. Lasst uns das tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00dcberwall an Gef\u00fchlen;\u00a0 Die Welle trifft dich, \u00fcberschwemmt dich, nimmt dich mit; Hilflos Du f\u00fchlst, als k\u00f6nntest du dich nicht wehren, nicht schwimmen, nicht mehr atmen; Stop- Warum die Gef\u00fchle annehmen, verarbeiten, sich damit auseinandersetzen? Warum sich anstrengen, sein Innerstes zu offenbaren,\u00a0 Gef\u00fchle, aufgetaucht seit all den Jahren, frei zu lassen, sich angreifbar zu machen? 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