ideamare juLABER

~verdrängen~

Ein Überwall an Gefühlen; 

Die Welle trifft dich, überschwemmt dich, nimmt dich mit;

Hilflos

Du fühlst, als könntest du dich nicht wehren, nicht schwimmen, nicht mehr atmen;

Stop-

Warum die Gefühle annehmen, verarbeiten, sich damit auseinandersetzen?

Warum sich anstrengen, sein Innerstes zu offenbaren, 

Gefühle, aufgestaucht seit all den Jahren, frei zu lassen, sich angreifbar zu machen?

Nein, ich bin nicht nicht so stark, ich bin nicht so mutig;

Stattdessen versuche ich,

Schritt für Schritt

Platz zu schaffen

da, wo die Gefühle einmal waren;

Was mache ich jetzt mit dem Raum?

Ich weiß es nicht;

Leere-

Ich fange dann an mit den Ausreden:

Es gibt wichtigere Dinge, was ist mit meinem Leben?

Zwischen Schule, Lernen, Freunden, Sport und vielleicht zwei Minuten Pause,

da ist kein Platz für

den Schmerz, das Weinen, für all das, was du weißt, dass es das gibt, aber irgendwie nicht fühlst oder glaubst, dass du es nicht fühlst;

Ich habe keine Zeit;

Ich kann mich nicht konzentrieren, ich kann nicht durchatmen;

Von Anfang an hast du die Einstellung angenommen, mitgenommen und nie wieder losgelassen;

Ich kann das nicht. Ich will das nicht.

Ich mache das nicht.

 

Es bildet sich eine Wand

ganz tief in deinem Hinterkopf,

mit jedem Tag, mit jeder Stunde

wird Stein über Stein, Mörtel über Mörtel gelegt,

bis letztendlich die Gefühle schreien, gegen die Mauer aus Gleichgültigkeit und Hilflosigkeit ankämpfen;

Die Trauer weint in unermesslichen Bächen;

Der Schmerz krümmt und windet sich;

Der Hass fletscht die Zähne;

Das alles höre ich nicht;

Natürlich-

Wie denn auch?

Eine Mauer steht zwischen mir und meinen Gefühlen;

Ich habe die Ignoranz, die Gleichgültigkeit, die tiefe Emotionslosigkeit nicht nur angenommen, sondern auch mitgenommen;

Es gibt immer wieder Tage, an denen ein Stück Mauer bricht, ein Lichtspalt durch das tiefe Schwarz der Dunkelheit fällt;

Oh nein-

Schnell wird ein neuer Stein gefunden und das Loch ist geschlossen,

Als wäre nie eines gewesen;

Und jetzt-

Und jetzt liege ich auf dem Küchenboden, starre an die Decke, und warte,

warte auf die Gefühle, warte

bis ich endlich anfange, gegen die Mauer anzukämpfen, bis sie bricht;

Aber sie bricht nicht;

Warte bis ich anfange zu weinen, mein Herz zusammenbricht, ich losbrülle, schreie, um mich schlage-

Aber es kommt nicht-

Habe ich mit all der Kraft all die Gefühle nicht zur Seite geschoben, hinter der Mauer verbarrikadiert, 

sondern verpulverisiert?

Oder bin ich einfach so kalt geworden wie der Boden, auf dem ich liege?

Und jetzt wünsche ich mir,

ich wäre nicht so feige gewesen,

zu weinen, zusammenzubrechen, 

mit meinen Gefühlen umzugehen,

mir Schmerz, Trauer, Leid anzutun;

Jetzt könnte ich darüber lachen;

Aber nein, jetzt liege ich hier,

Und suche in den Tiefen meiner Seele nach Gefühlen;

Sogar gewillt, den Zerstörungsknopf zu drücken;

Ich bin sauer,

Sauer auf mich, sauer auf alles;

Aber darüberhinaus wird es nicht kommen;

Und das ist auch gut so,

Aber ein Stück weit eben auch nicht

 

Überall, wo man hinschaut, hingeht, hinsieht,

Da sieht man Menschen mit genau dem gleichen Problem:

Der Mann mit der Aktentasche in der einen Hand, in der anderen der Kaffee-to-Go-Becher;

Er weiß, dass der Klimawandel real ist,

Er weiß auch, dass er mit den unnötigen Papierbechern, die er jeden Morgen vom Coffee-Shop bekommt, die Umwelt verpestet,

das hat er gestern im Radio gehört;

Er fühlt sich schlecht-

Aber was konnte er denn dafür? Auch wenn er keine Kaffe-to-Go-Becher mehr kaufen würde, würden es immer noch genug andere tun;

Was konnte er denn dagegen tun? Morgen hätte er es doch eh schon wieder vergessen;

Von 7 bis 9: da kann man nicht noch auf die Umwelt achten;

Oder die Frau im Bus;

neben ihr sitzt ein Paar-

aber ist es wirklich ein Paar?

Ist der Gegenüber nicht ein bisschen übergiffig zu seine(m)/(r) Partner(in)?

Fässt er/ sie die Person ein bisschen zu viel an?

Und erwidert die Person dies gar kein bisschen?

Versucht sie eher Abstand zu halten, schaut sie bedrückt die anderen Fahrgäste an?

Was? Nein!

Schau doch, wie süß die sind!

Hallo

Heute habe ich für euch den Text „~verdrängen~“ geschrieben bzw. abgetippt, denn dieser Text ist einer der ersten selbstgeschriebenen Texte von mir und der erste lange, überarbeitete Text, den ich jemals geschrieben habe. Wie im letzten Text „~veränderung~“ angekündigt ist dieser Text der zweite Teil meiner dreireihigen Folge von „Ver“-Texten. Aber eigentlich nicht, da ich ihn als erstes geschrieben habe. Ich wollte die Reihenfolge ändern, da ich den letzten Text, also den frischesten, am passensten zum Neuanfang auf meinem Blog fand. Wie ihr seht wurde die Reihenfolge komplett geändert und der eigentlich zweite Text „Verurteilung“ wird als letzter Teil dieser Serie veröffentlicht. Aber jetzt genug davon und zu meinem Text.

Der Text ist in drei Teile geteilt. Die ersten zwei Teil haben jeweils ein Bild zur Veranschaulichung, wobei der dritte Teil eher mit konkreten stereotypischen Beispielen appellieren will. Der erste Teil veranschaulicht eine Welle an Gefühlen, von der du überschwemmt wirst, du fühlst dich hilflos und musst etwas dagegen tun. Also verdrängst du es. Dafür findest du natürlich viele Ausreden, wie das jeder Mensch in scheinbar ausweglosen Situationen macht, damit er sich besser fühlt. Über den ganzen Text verteilt treten immer einzelne Wörter hervor, die verdeutlichen sollen wie ausweglos die Situation ist und die außerdem Struktur im Text geben sollen. Der erste Teil endet mit dem sich steigernden Trikolon, das ausruft: ich werde mit meinen Gefühlen nicht umgehen!

Im zweiten Teil steht als Bild eine Mauer zwischen dir und meinen Gefühlen, deinem Schmerz, Neid, deiner Trauer. Außerdem wird eine Situation offenbart, in der gezeigt wird, was passiert, wenn die Mauer ein Stück weit bricht und die Gefühle zu dir zu drängen scheinen. Das ist natürlich ein Schock für dich und du stehst zwischen zwei Möglichkeiten: endlich dich mit den Gefühlen auseinandersetzen oder weiter verdrängen. In diesem Fall verdrängst du weiter, das zeigt, wie verzweifelt und hilflos du bist.

Der dritte Teil richtet sich an konkrete Beispiele: Ich will hier klar sagen, dass ich mit diesen frei erfundenen Personen keine einzelne, echte Person wiederspiegele, sondern Persongruppen, Stereotypem, die ich wieder aufgreife. Ich weiß, dass der dritte Teil provokant ist, aber das soll er auch. Er soll zeigen, wie jeder einzelne Mensch verdrängt, wegschaut, egal wie klein oder groß das Verdrängen ist.

Im Text steigert sich das Verdrängen, wie oben beschrieben, und irgendwann kann man nicht mehr seine Gefühle aufrufen. Das ist natürlich ein sehr großes Problem, denn Verdrängen ist nur eine Zwischenlösung, bis man sich stark genug dafür fühlt oder sich stark genug dafür fühlen muss. Wenn man aber nicht mehr weiß wie man sich mit sich selbst auseinandersetzt, weil man sich von sich selbst und seinen Gefühlen distanziert hat, entsteht ein Dilemma. Am Ende des zweiten Teils hast du nur noch das Gefühl, sauer zu sein, wobei das kein echtes Gefühl ist.

Meiner Meinung nach ist Verdrängen feige, es ist einfach. Weil es so einfach ist, macht es fast jeder, auch ich. Es ist an der Zeit, endlich zu lernen, mit sich und seinen Gefühlen umzugehen, sich auseinanderzusetzen, sie zu akzeptieren. Lasst uns das tun.